Stiftung Flucht, Vertreibung und Versöhnung

Berlin/2014

Die Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung richtet im Deutschlandhaus in Berlin-Kreuzberg eine Dauerausstellung ein, um an das Unrecht der erzwungenen Migrationen im Europa des 20. Jahrhunderts zu erinnern. Der Grundgedanke der Ausstellungsgestaltung erwächst aus der Polarität zwischen Chaos und Ordnung. Er verleiht dem Unstrukturierten eine Struktur. Die Ausstellung ist an der genuin physischen Dimension ausgerichtet, die Flucht und Vertreibung anhaftet: der Verlust von Kontrolle und Geborgenheit, die Aufgabe des Vertrauten und die Konfrontation mit dem Fremden. Beides, die Körperlichkeit und die Struktur des Unstrukturierten, kommt in den im Raum verteilten, aufeinander geschichteten und ineinander verkeilten Faserzementplatten, den »Schollen«, zum Ausdruck. Es ergibt sich ein plastisch anmutendes Gesamtbild, dessen Aufbau und innere Struktur erst beim näheren Hinsehen deutlich wird. Dieses Gesamtbild zeigt auf abstrakte Weise, wie die Schicksale von Flüchtlingen und Vertriebenen von den politischen und historischen Ereignissen abhängig sind. Die Gleichförmigkeit der »Schollen« und ihre ständig neue Anordnung, ihre sich ändernden Höhen und Winkel sprechen die Wahrnehmung der Besucher an und fordern sie dazu heraus, ihren eigenen Blickwinkel während des Rundgangs durch die Ausstellung stets neu zu justieren. Der skulpturale Gestaltungsansatz ist mit einer klaren und intuitiven Besucherführung verknüpft. Das Interesse der Besucher bleibt wach, die Ausstellung für sich zu entdecken. Dabei hilft der präzise Einsatz von interaktiven Medienstationen zur Vertiefung einzelner Themenbereiche und Projektionen von Filmen und Bildern auf die Schollen.