Naturkunde im Universalmuseum Joanneum

Graz (Österreich)/2010  –  2013

Das Universalmuseum Joanneum schließt mit der Neuaufstellung des Naturkundemuseums seine umfangreiche Sanierungsphase und Neukonzeption ab. Die Ausstellungsgestaltung ist durch eine zeitlose Ästhetik und eine besondere Wertigkeit des Ambiente bestimmt, um der vergleichsweise hohen Halbwertszeit der Dauerausstellung Rechnung tragen zu können. Die historische Architektur des barocken Stammhauses des Museums war dabei der Ausgangspunkt. Die Ausstellungsgestaltung lässt dem Ausdruck und der Präsenz des historischen Bestands den Vortritt und versucht dennoch, die Wirkung der gezeigten Objekte auf den Besucher zu verstärken. Die gestalterischen Einbauten und Installationen sind – wo immer möglich – von den Wänden losgelöst und zu „Inseln“ in den Raum gruppiert. Auf diesen Inseln sind die Objekte, Materialien und Modelle den Besuchern von allen Seiten zugänglich. Gerade für die Dauerausstellung des Naturkundemuseums war es wichtig, über die Atmosphären in den Räumen eine Orientierung zu schaffen. Die Besucher können sich so ihren Weg selbst und je nach ihrem Interesse wählen, können ihren Standort durch spezifische gestalterische Elemente aber jederzeit ohne Weiteres ausmachen. Grundsätzlich ist die Ausstellung in zwei Teile gegliedert, den erdgeschichtlichen und den biowissenschaftlichen Bereich. Die erdgeschichtlichen Räume sind in einem dunklen, fast schwarz erscheinenden Grün gehalten. Der biowissenschaftliche Bereich setzt den Schwerpunkt hingegen auf aktuelle Themen. Dieser Bereich ist leuchtend hell gehalten. Die Atmosphäre hat den Charakter eines Labors. Die Lichtdramaturgie verstärkt den Wechsel zwischen erdgeschichtlichem und biowissenschaftlichem Bereich. Mit der historischen Entwicklung werden die Räume sukzessive heller. Das Naturkundemuseum Graz hebt sich deutlich von den üblichen Präsentationsformen naturwissenschaftlicher Museen ab. Die sachlich kühle, laborhafte Atmosphäre der biowissenschaftlichen Räume isoliert die Exponate aus ihrem natürlichen Kontext und zeigt sie in Seziertischen ähnlichen Vitrinen. Hier können dem Besucher bestimmte Thematiken näher gebracht werden, z.B. der Bewegungsapparat von Wirbeltieren. Präparierte Tiere werden zusammen mit ihrem Skelett gezeigt. Die Bewegung scheint eingefroren und ist auf diese Weise fassbar. Den einzelnen Inszenierungen sind Monitore beigefügt, die einladen, sich mit der Bewegungsart und der Physiologie verschiedener Tiere vertiefend auseinanderzusetzen.