Kunstkammer im Kunsthistorischen Museum

Wien (Österreich)/2010 –  2013

Sowohl das Haus als auch die Sammlung, die jahrelang in einem Dornröschenschlaf lag, ist weltweit einzigartig. Die in der Renaissance entstandene enzyklopädische Universalsammlung versuchte, das gesamte Wissen ihrer Zeit zu erfassen. Für die Neukonzeption der Ausstellung war es daher entscheidend, größere inhaltlich und stilistisch zusammenhängende Objektkonstellationen herauszubilden und gestalterisch umzusetzen. Die Gruppierung von Objekten und parallel dazu verlaufenden kunst- und kulturhistorischen sowie herrschafts- und sammlungsgeschichtlichen Diskursen waren entscheidend. Es entstehen unterschiedliche und immer wieder neue Lesarten der Ausstellung. Die Vielfalt der Kunstkammer spiegelt sich in einer präzise aufeinander abgestimmten Vermittlungsstruktur wider. Neben einer hierarchisch deutlich abgestuften Textstruktur schaffen Porträtgemälde und Büsten den entsprechenden Zeitkontext und personalisieren und verlebendigen die gezeigten Exponate. Medienstationen vermitteln die Produktionstechniken der teils extrem aufwändig hergestellten Kunstobjekte. Auch die Mechanismen der ausgestellten Automaten werden medial verdeutlicht. Die klare inhaltliche und gestalterische Organisation der räumlichen Zusammenhänge und Blickachsen sorgt für eine unaufdringliche Ordnung und eine leichte Zugänglichkeit. Die Konfigurationen aus Objekten, Texten, Medien und der historischen Architektur erzeugen eine Atmosphäre, die dem Besucher die Magie der Sammlung nahe bringt. Die historische Architektur wurde so weit wie möglich erhalten und ihr Charakter herausgearbeitet. Aus konservatorischen Gründen mussten auf Fensterebene ein Lichtschutz und im Eingangsbereich Klimaschleusen ergänzt werden, ohne das äußere oder innere Erscheinungsbild zu verändern. Viele der Objekte sind in sich eine Inszenierung und strahlen eine Aura aus, die keiner verstärkenden Maßnahmen bedarf. In diesem Sinne ist ein unprätentiöses Schaudepot entstanden, das jedem Exponat seinen Auftritt lässt und ihm Luft zum Atmen gibt. Die Ausstellungsmöbel sind so entworfen, dass sie sich zwar in ihrer Materialität und in ihrer Funktion zurücknehmen, aber durch ihre Proportionen ein Selbstbewusstsein gegenüber der Architektur behaupten können. Die je spezifische Komposition freistehender Vitrinen mit Wandvitrinen, Tischvitrinen und historischen Vitrinen lässt jedem Raum seine Individualität.